Volvo P1900 Fahrzeugkauf bei einem angeblichen Oldtimerspezialisten
(Autohaus Wellssow, Schweden-Mobile, Köln)

Bericht geschrieben von Rolf Niederer ( rni@lcsys.ch )

Fotos von Rolf Niederer


Vor kurzer Zeit habe ich einen absoluten Exoten (Volvo Sport, besser bekannt als P1900, Baujahr 1956, Seriennummer 35) bei Heinz Ulrich Wellssow , Porz Grengel (Köln) gekauft.

Diese Fahrzeug war durch den Umstand, dass es davon nicht mehr viele Exemplare gibt dementsprechend selten und auch teuer.

Das Fahrzeug wurde mir von Herr Wellssow per Telefon respektive durch ein eröffnetes Diskussionsforum auf dem Internet angeboten. Das Fahrzeug war scheinbar seit ca. 1991 oder 1992 in seinem Besitz und wurde als ich es zum erstem mal sah von seiner eigenen Firma

Autohaus Wellssow
Schweden-Mobile
Waldstrasse 153
D-51147 Köln
Deutschland

renoviert.

Zum Zeitpunkt meines ersten Besuches war das Fahrzeug noch nicht komplettiert. Konkret war die Kunststoffkarosserie neu gespritzt und die Türen und Hauben waren bereits montiert. Im Motorenraum herrschte noch das reinste Chaos, dies in Bezug auf die 6 Volt Elektrik, Zündanlage, die allgemeine Reinheit des Motors und die Vergasereinheit. Eine rein optische Ausnahme bildete der mit einem nicht original rot, über den Schmutz und die Anbauteile gespritzten Motorblock. Unter dem Fahrzeug war klar zu erkennen, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht Hand angelegt wurde. Das heisst, bei allen Lagerteilen im Achsenbereich waren die Lager- und Befestigungsgummis bereits durch das Alter spröde oder aufgequollen. Weiter waren alle Bremsschläuche sehr stark vom Alter gekennzeichnet. Herr Wellssow versicherte mir, dass der Motor überholt wurde, die Kupplung gewechselt wurde, Getriebe gewechselt und neu abgedichtet wurde.

Nach einigen Tagen habe ich diesem Kauf zugesagt und einen Vertrag etabliert, welcher auch den zu erreichenden Auslieferungszustand des Fahrzeugs beinhaltete. Darin war vereinbart, dass der P1900 vorführbereit (für den TÜV, respektive Strassenverkehrsamt der Schweiz) respektive fahrbereit und komplett zusammengebaut sein sollte. Weiter sollte er mich auch noch schriftlich über die von seiner Werkstätte getätigten Arbeiten dokumentieren. Wir waren uns sehr rasch über diese Konditionen einig und Herr Wellssow hat sich 3 Wochen Zeit eingeräumt, mit der Ausrede, dass seine Firma das Autohaus Wellssow genügend Zeit bräuchte um das Fahrzeug in den vereinbarten Zustand zu versetzen. Weiter wurde zusätzlich vereinbart, dass alle Achsengummis und Bremsschläuche kontrolliert werden und gegebenenfalls ersetzt würden. Herr Wellssow mit seinem äusserst verkaufsorientierten Gehabe (aus meiner Sicht, typischer Autoverkäufer mit viel inkompetentem Blabla behaftet) hat dieser Sache zugesagt, weil er laut seiner persönlichen Aussage "ein Fahrzeug ausliefern wolle, welches in absolutem Topzustand ist, so als währe es für ihn persönlich mit seinen sehr hohen Qualitätsansprüchen renoviert worden".

Nach ca. 7 Tagen und weiteren 5 Tagen habe ich mich über den Verlauf der Arbeiten erkundigt. Dabei hat mir Herr Wellssow telefonisch bestätigt, dass alles zum Rechten kommt und fleissig, vom Werkstattmeister, am P1900 gearbeitet werde. Weiter seien die beanstandeten Achsen- und Bremsteile bereits bestellt und sollten demnächst eingebaut werden.

Für die Ablieferung war vereinbart, dass ich bereits einige Stunden früher dort sein solle, damit ich den P1900 begutachten könnte und allfällige beanstandete Mängel noch von seiner Werkstätte behoben werden können. Seine Worte waren; „ Es sollte ja alles perfekt sein!!!!"

Wie vereinbart habe ich den P1900 etwas früher besichtigt.

Mein erster optischer Eindruck war erschreckend es fehlte noch an den vielen nachfolgend genannten Details;

  • Äusserlich war der P1900 nicht einmal poliert oder geputzt. Die fettigen Hände seiner Werkstattbelegschaft waren noch gut ersichtlich.
  • Der Innenraum war verschmutzt und nicht gereinigt.
  • Der vereinbarte klemmbare Fahreraussenspiegel fehlte
  • Die Innenbelechtung samt Türkontaktschalter waren nicht mehr montiert. (Auf den alten Anlieferungsfotos noch ersichtlich)
  • Die falschen Volvo Buckelblinker wurden auf meinem Wunsch entfernt und mit einer Spraydose wurden die zugespachtelten Löcher mit einer schönen, unprofessionellen Orangenhaut überspitzt. Optisch von 10 Meter ersichtlich!!
    Nebenbei bemerkt einzelne Teile wurden in einer sehr staubigen Umgebung gespritzt. Dies sieht man bei genauer Betrachtung der Lackoberfläche.
  • Es fehlten alle Hauben und Türdichtungen.
  • Das vereinbarte Motorhauben Emblem fehlte.
  • Im Motorenraum herrschte immer noch ein Chaos. Die Vergaser waren noch gleich verschmutzt und der Kabelsalat war mittlerweile mit Klebeband frei schwebend umwickelt worden.

Dies waren nur die optischen Eindrücke, welche sich grösstenteils leicht (nachträglich in der Schweiz) beheben liessen.

 

Eine kurze Probefahrt mit dem Werkstattmeister deckte auch rasch mechanische Mängel auf;

  • Vergaser waren so schlecht eingestellt und hatten mit einer Regelmässigkeit geruckt und zurück geschossen. Der Werkstattmeister meinte nur, dies sei ein neues Phänomen.
  • Beim Anfahren hat sich die angeblich neue und gewechselte Kupplung als ein ruppiges respektive flatterndes Teil entpuppt. Der Werkstattmeister wusste nicht, dass diese Kupplung ersetzt worden ist!
  • Beim Anfahren hat sich die Getriebeaufhängung bemerkbar gemacht, das Getriebe schlug beim Anfahren an der Karosserie an.
  • Der schrecken beim Bremsen steckt mir heute noch in den Gliedern. Es bremste nur eine Vorderrad und das Auto scherte mit einem starken Ruck nach rechts weg.
  • Das Fahrwerk zeigte klar, dass daran nichts mehr geändert wurde. Das bedeutet alle Achsengummis und sonstiges wurden sichtlich nicht gewechselt.

Zurück im Autohaus Wellssow wurde mir versichert, dass alle diese Mängel bis am Abend beseitigt würden. Der Werkstattmeister werde persönlich daran arbeiten, war wieder der Standardspruch. Die Wellssow-Sprüche in Sachen super Qualität und Blablabla liegen mir heute noch in den Ohren.

Am Abend als ich zurück zum Autohaus Wellssow kam war das Auto bereits auf einen Transporter verladen und für die Fahrt in die Schweiz gerichtet. Die beanstandeten Mängel konnten somit nicht mehr erhoben oder kontrolliert werden.

 

Zurück in der Schweiz

Es stellte sich sehr rasch heraus, dass an den Mängeln nichts ersichtliches geändert worden war. Nur die Türdichtungen wurden mit Fensterdichtungen aus dem Baumarkt ausgeklebt. Dabei hatte diese Dichtung immer noch 2 Millimeter Luft zwischen der Türe und der Auflage. Quintessenz schlicht unbrauchbar und unprofessionell.

Bei einem genaueren Check nach den Richtlinien des schweizerischen Strassenverkehrsamt wurden die nachfolgenden Mängel entdeckt und festgehalten. festgestellt;

          Bremsen:

  • Bremsen waren in keiner Weise betriebssicher. An diesen wurde auch nach der Beanstandung nichts mehr vom Autohaus Wellssow gemacht.
  • Die Wirkung der Handbremse war unter 15% und der Einstellmechanismus war nicht einmal mit den Kontermuttern gesichert. Nicht betriebsbereit!
  • Bremsschläuche waren spröde und nicht betriebsbereit.
  • Das ganze Bremssystem hatte mehr Luft als Bremsflüssigkeit.

     

    Elektrische Anlage:

  • Die Kabel im Motorraum waren nicht gesichert und konnten am Chassis scheuern
  • Der Kabelbaum, welcher zum Hinterteil des Fahrzeugs führt wurde im Radkasten mit frischen Karosseriekitt oberhalb dem Radlauf befestigt. Bei der ersten Bodenwelle konnte der Kabelbaum runter fallen und durch das Hinterrad abgerissen werden. Fazit nicht betriebssicher in Bezug auf die Beleuchtung!
  • Optisches: Während der Renovation wurde der Originallichtschalter durch missliche Umstände nicht mehr gefunden. Ersatz bildetet ein optisch schrecklicher gummibezogener VW Schaltern aus einer neueren VW-Generation, welcher beim Scheibenwischerknopf Platz nehmen musste. Laut Herr Wellssow war es nicht möglich einen solchen Originalschalter mehr aufzutreiben. Dieser Schalter stammte aus einer Volvo Amazon Produktion und war innert Wochenfrist findbar.
  • Spritzwasserpumpe für die Scheibenreinigung war nicht verkabelt und die Pumpe war defekt. Status nicht betriebssicher!
  • Der Scheibenwischer wurde neu an den Innenlichtschalter angeschlossen. Dies zeugt von Perfektion im negativen Sinn!!!
  • Verkabelung nach Auslieferung respektive renoviert nach 
    "Wellssow-Standard"

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    Achsen:

  • Alle Gummis waren komplett verrottet und dadurch war das Fahrwerk nicht mehr betriebssicher.
  • Die Stossdämpfer waren von 1968 und haben die Befestigungsgummis auch durch Sprödheit verloren.
  • Die angeblich dichte Hinterachse stellte sich rasch als tropfende Ölquelle heraus.

 

Vorderachse nach Auslieferung respektive renoviert nach "Wellssow-Standard"

Hinterer Achse links  nach Auslieferung respektive renoviert nach "Wellssow-Standard"

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Hintere Achse rechts nach Auslieferung respektive renoviert nach "Wellssow-Standard"

    Lenkung:

  • Die Lenkung hatte durch ein loses und ausgeschlagenes Parallellenklager 2cm Spiel. Fazit nicht betriebssicher!
  • Motor:

  • Angeblich dichter respektive frisch abgedichteter Motor stellte sich als tropfendes Ungetüm heraus.
  • Öldruckgeberschlauch (Abgang beim Zylinderkopf) für die Inneninstrumente war so porös, dass er bei etwas erhöhter Drehzahl schön vor sich hin tropfte. Kapitaler Motorschaden wäre sicherlich nicht weit entfernt gewesen!
  • Vergaser- Renovation nach  nach "Wellssow-Standard"

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    Getriebe:

  • Angeblich frisch abgedichtetes Getriebe tropfte sehr stark aus der Kardanwellenabdichtung.
  • Tachowelle war ohne Dichtring montiert. Quintessenz auch eine reine Öltropforgie!!!
  • Getriebeaufhängung (Gummilager) war defekt respektive so spröde, dass man durch das Gummilager durchschauen konnte.

Auf diese Mängel angesprochen erwiderte Herr Wellssow sehr arrogant; "Dies seien kleine Details, welche an den Haaren herbei gezogen seien!!!" Laut seiner Aussage würde der deutsche TÜV nicht so blöd tun und ein solch gut und liebevoll instandgesetzte Fahrzeug ohne weiteres abnehmen. (Hoffe nur, dies wird nicht vom TÜV gelesen!).

Meine Meinung:

Dazu kann ich nur sagen, dass es mir in jeder Hinsicht klar ist, dass ein Oldtimer leichte Mängel (leichter Ölverlust, Details abgenützt oder nicht mehr perfekt, eventuell nachgefertigte oder reparierte Teile) aufweisen kann. Jedoch muss ich auch erwähnen, dass die oben aufgelisteten Mängel immer noch durch Original-Volvoteile (Bremsen, Achsen, Schläuche) instand gesetzt und durch eine kompetente Werkstätte leicht behoben werden können.

Fazit:

Das was das

Autohaus Wellssow
Schweden-Mobile
Waldstrasse 153
D-51147 Köln, Deutschland

als vorführbereites respektive fahrbereites Auto ausgeliefert hat, ist eine Irreführung sondergleichen. Mir sind mittlerweile auch noch andere solche Fälle zu Ohren gekommen.

Darum liebe Odtimerfreunde meidet diesen Schandfleck des Veteranengewerbes.

 

Das Auto zum heutigen Zeitpunkt (the happy end!!)

Das Auto wurde mittlerweile anstandslos vorgeführt und ist auch in aller Hinsicht betriebssicher.

Dieser Zustand wurde durch die Fachkompetenz und die Liebe am Detail durch die Firma Kreuzgarage AG, Kreuzlingerstrasse 43, CH-8590 Romanshorn, Schweiz innert ca. 60 Arbeitsstunden und einem Materialaufwand (nur Originalteile) von ca. SFr. 750.-- erreicht.

Ich muss diesem Unternehmen ein grosses Lob aussprechen und kann jedem Volvo Oldtimer Freund nur raten diesen kompetenten Service in Anspruch zu nehmen. Alle meine anderen Volvo Oldtimer werden auch von der Kreuzgarage, Romanshorn betreut.
Alle Services und Dienstleistungen dieser aussergewöhnlichen Garage findet man unter dieser Homepage ( http://www.kreuzgarage.ch ).

Hier finden Sie Bilder von der Instandstellung und 
nachträglichen Überholung des Fahrzeugs


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